Unser Abenteuer ist nun fast ein Jahr her. Dieses Jahr gibt es wieder eine Baltic Sea Circle, die aber ohne uns stattfindet :-(

Gestern haben wir uns mit einem Team aus der Region Bern getroffen, die sich dieses Jahr auf die Reise um die Ostsee begeben. Also hab ich mir gedacht, ich schreibe doch mal ein bisschen was Allgemeineres über unsere Tour. Vieles kann der geneigte Leser aus dem Blog erfahren. Die ein oder andere Info schreibe ich an dieser Stelle mal zusammen - evtl. hilft es ja einem Team, sich auf die Rallye 2018 vorzubereiten.

 

1. Auto

Bei der Überlegung zum Auto war für uns wichtig, ein Auto zu besorgen, in das wir vor der Rallye nicht mehr viel Arbeit stecken müssen. Dann sollte es Platz haben und bequem sein und auch die Möglichkeit bieten abseits befestigter Strassen keine Furche in den Schotter zu ziehen. Wenn ihr mit einem Exoten unterwegs seid, bedenkt, dass das Auto evtl. nicht so einfach repariert werden kann.

Ich bin der Auffassung, dass ihr euch mal rudimentär mit dem Auto befassen solltet, die Schwachstellen kennen solltet und diese vor der Fahrt checken und ggf. reparieren solltet. Dazu ist es natürlich hilfreich, wenn eventuelle Ersatzteile und Reparaturen nicht den Anschaffungswert vom Auto übersteigen.

Mir hat es ein gutes Gefühl gegeben, Teile, die kaputt gehen könnten aber leicht zu wechseln sind mit zu nehmen. Es sei denn, ihr habt sie gerade gewechselt. Wir haben z.B. noch einen Keilriemen mitgenommen (obwohl vorher getauscht), Thermostat, Verteilerkappe, Kurbelwellensensor. Auch wenn ihr das Teil nicht selbst wechseln könnt, kann es wenigstens eine Werkstatt vor Ort machen. Das Problem ist, nicht, dass die Teile nicht geliefert werden können, sondern die Zeit die ihr verplempert, wenn euer Bock in der Werkstatt steht. So eine Verzögerung ist extrem schwer wieder einzuholen und versaut euch im dümmsten Fall die Rallye.

Aus meiner Sicht braucht es keine 2 Ersatzräder, es sei denn, ihr habt eine extrem seltene Reifengrösse. WIr haben auf unserer Tour sehr viele Reifenwerkstätten gesehen (gerade in Russland). Evtl. ist aber ein Reifenflickset hilfreich (nicht diese Brühe zum reinschütten sondern die Teile mit diesen Vulkanisierwürsten).

Wenn ihr bisher noch keinen Rad gewechselt habt, solltet ihr das mal üben :-)

Dran denken: In vielen Staaten sind Feuerlöscher und Ersatzglühlampen vorgeschrieben. Kontrolliert hat das keiner, ich erwähne es aber einfach mal.

Denkt an das Thema Alkohol - man munkelt, dass die norwegische Polizei mal auf die Idee gekommen ist, nach der ersten Party auf den Lofoten am nächsten Morgen sich zu einer spontanen Restalkoholkontrolle in der Nähe der Location zu positionieren.

 

2. Versicherung

Ganz heisses Thema, wenn ihr durch Russland fahrt. Die normale Haftpflicht (grüne Karte) ist (meistens) in Russland nicht gültig. Ihr müsst eine Haftpflicht Versicherung für Russland extra kaufen. Die kontrolliert niemand, bei der Einreise aber wenn ihr in Russland einen Unfall habt und könnt keine Haftpflicht vorweisen, glaube ich nicht, dass man euch ohne Weiteres weiterfahren lässt.

WICHTIG: IHR KÖNNT AN DEN GRENZÜBERGÄNGEN KIRKENNES UND RAJA KEINE GRÜNE KARTE KAUFEN!

Ich hab ständig gehört, man könne die Grüne Karte an der Grenze kaufen. Das trifft für die o.g. Grenzübergänge nicht zu! Wir haben diese Versicherungsbuden nur an der Grenze Estland/Russland gesehen.

Also macht das vorher klar (Automobilclubs sind sicher ein heisser Tipp für sowas).

 

3. Russland

Würde ich nochmal durch Russland fahren? Na klar doch! Sämtliche Gerüchte, wie gefährlich das ist, konnten wir und andere Teams, mit denen wir geredet haben nicht nachvollziehen. Wir wurden an der Grenze nicht gegängelt und die Polizei hat sich auch nicht für uns interessiert.

Thema Grenze: Wir haben uns für den Grenzübergang Raja-Jooseppi entschieden. Gründe dafür waren, dass wir davon ausgegangen sind, dass diese nicht so voll sind und wir eine Übernachtung ca. 100km vor Murmansk gefunden haben (http://bereg51.ru/). 

Zurück zum Thema. An der russischen Grenze wird noch richtig kontrolliert. Heikel ist das Thema Alkohol, wir haben von einigen Teams gehört, die zuviel Alkohol dabei hatten und diesen entsorgen mussten. Bei einem Team ging dadurch ein Visa Eintritt verloren, weil sie den Alkohol in Finnland entsorgen mussten (Einreise/Ausreise). 

Die Zollformulare sind auf englisch verfügbar aber t.w. etwas frei übersetzt. Ich hatte den Eindruck, dass die Grenzer von dem Andrang etwas genervt waren. Also macht nicht den Klugscheisser und seid nett :-)

Für alle, die mit Haustier reisen: In Raja gibt es keinen Veterinär! Deswegen könnt ihr dort mit eurem Hund/ nicht einreisen! In diesem Fall müsst ihr über Kirkennes fahren.

 

Bitte seid euch bewusst, dass die Übernachtungsmöglichkeiten auf der Strecke von Murmansk nach St. Petersburg sehr rar sind. Zeltplätze, wie in Skandinavien aller naselang sind findet ihr dort nicht. Ob wildes Campieren geduldet ist, weiss ich nicht. Unsere erste Übernachtung war ca. 100km vor Murmansk (http://bereg51.ru/). Dort sind sehr schöne Holzhäuser (5 oder 6 Stück) die mit jeweils 5 Personen belegt werden können. Die Jungs dort sprechen aber nur russisch. Bezahlung dort ist nur mit Bargeld möglich (der nächste Geldautomat ist ca. 40km Richtung Murmansk entfernt). Die Belegung der Häuser ist sehr strikt - Diskussionen ala "Da passt doch noch einer rein mit Luftmatratze" sind aussichtslos. Preis waren (meine ich) ca. 200,-€ pro Haus (also 40,-€ /Nase).

In Murmansk selbst gibt es dann grössere Hotels, wo an der Rezeption auch englisch gesprochen wird. 

Nach Murmansk wird's allerdings dünne mit Hotels. Das nächste Hotel haben wir in Louchi gefunden - sah zwar nicht sehr einladend von aussen aus, ist aber gepflegt und sauber.

Die nächst grössere Stadt ist dann Petrosavodsk, da gibt es einige Hotels von bekannten Ketten (Raddison-Blue z.B.).

In St. Petersburg sind Hotels logischerweise kein Problem - das Thema Fussball WM solltet ihr aber auf dem Radar haben. Evtl. sind Hotels ausgebucht oder teuer.

 

Noch ein paar Gedanken zur Ausreise aus Russland.

Nach St. Petersburg steht die 2. Party in der Nähe von Tallinn an. Das ganze Teilnehmerfeld wird also plusminus zur gleichen Zeit am einzigen Grenzübergang nach Estland (Narva) dort aufschlagen. Entweder seid ihr ganz früh dabei oder ganz spät (schade um die Party). Wir haben 4h Stunden gebraucht. Auch bei der Ausreise werden die Fahrzeuge ausgiebig kontrolliert.

Zum Thema Auto und Russland:

Das Auto wird bei der Einreise temporär verzollt (kost nix) und muss aber nachweislich wieder ausgeführt werden (Stempel auf dem Zollformular). Sollte das Auto gestohlen werden oder Totalschaden in Russland erleided, setzt euch mit eurer Botschaft in Verbindung für die Vorgehensweise in Verbindung. Wenn das Auto nicht ausgeführt wird, muss es nachverzollt werden. Bei unserem Chevy wären das läppischen 26'000,- € gewesen (i.W. sechsundzwanzigTAUSEND Euro).

Vergesst alle "Roadrage Russia" Videos so krass sind sie dort nicht unterwegs. In den Städten gibt's teilweise keine Fahrbahnmarkierungen, so dass zwisch 2 und 4 Spuren alles drin ist. Parallel versucht ihr noch den grössten Schlaglöchern auszuweichen und dabei den Nebenmann nicht zu rammen. Fussgängerstreifen sind t.w. auch nicht aufgemalt und so ein olles Blechschild am Rand übersieht man gerne mal. Also Augen auf.

Die Strasse von Raja nach Murmansk ist teilweise in schlechtem Zustand. Übertreibt's also nicht mit der Geschwindigkeit. Erwähnenswert ist noch, dass dort nach der Grenze noch eine Tanke kommt und dann auf ca. 140km NICHTS mehr ist. Sehr befahren ist die Strasse auch nicht - also dort solltet ihr evtl. in zweier Teams fahren.

Die E105 hab ich jetzt nicht so schlimm in Erinnerung. Es gibt die eine oder andere Baustelle mit Ampelreglung. Wer langsam fährt, fährt ganz rechts und lässt sich überholen. Platz hat's für 3-4 Fahrzeuge neben einander, der zum Teil auch ausgenutzt wird. Diese Methode wird übrigens bis an die Polnisch/Deutsche Grenze so gelebt :-)

 

4. Kommunikation

Grossartige Funklöchen gibt's eigentlich nur in Russland da wo keiner wohnt und in Deutschland(!). Sobald in Russland ein Tanke oder kleine Ortschaft kommt, gibt's 3G. Estland, Lettland, Litauen und Polen haben uns fast überall mit mind. 3G versorgt.

 

5. Klamotten

Braucht ihr für warm und kalt (Nordkapp). Badehose nicht vergessen für den Ozeanangriff auf den Lofoten (Pflichtprogramm! ;-) ).

 

6. Nordkapp

Wenn ihr am Nordkapp in einer Hütte oder Hotel nächtigen wollt, reserviert am besten einen Tag vorher. Ihr habt auch dort das Thema "Klumpenbildung" - wir haben bei 4 Grad im Zelt gepennt. 

Ihr könnt nur zwischen 1 Uhr morgens und 6 Uhr morgens mit dem Auto kostenlos bis an die Nordkappkugel fahren. Ihr könnt euch sicher denken, dass ihr nicht die einzigen seid, die so ein Bild haben wollen. Ich glaube, wir haben 2h gewartet.

 

7. Rallye

Jaaaa-vielleicht mal noch ein paar Worte dazu. Ihr werdet richtig lange im Auto sitzen und nicht vorwärts kommen. Rechnet mal mit 60km/h im Schnitt. Ihr werdet euch verfahren, werdet müde sein, das Wetter wird mies sein und es wird immer später werden ohne, dass ihr wisst wo ihr diese Nacht schlaft. Das drückt die Stimmung... Macht euch vorher ein bisschen einen Plan, wo ihr übernachten wollt und bis in welche Region ihr kommen wollt. Das Roadbook gibt den groben Zeitrahmen vor, sieht aber kein Sightseeing vor. Aussicht auf einen der ersten 3 Plätze habt ihr nur, wenn ihr möglichst täglich wild campiert und alle Challenges mitmacht.

 

Das wär mal so grob das, was mir zu Reise einfällt. Wenn ihr Fragen habt, könnt ihr mir auch ein Mail schreiben: sascha@baltic2017.ch

 

Ich wünsch euch viel Spass auf eurem Trip - kommt gut wieder in Hamburg an!