Tag 8

Tag 8 

Vom Nordkapp nach Verkhnetulomsky 

Start KM: 100'805

End KM: 101'579

Gefahrene KM: 774km

Spritverbauch - wieder mehr 12,3 l/100km

Mensch hundemüde - Maschine Rad vorne rechts klingt komisch

 

 

Heute startete also unser Masterplan mit dem Foto vor der Nordkapp Kugel und der Fahrt nach Russland. Augestanden sind wir in aller Herrgottsfrühe um 02:00 Uhr bei 6 Grad Celsius. Die Nacht konnte zumindest ich nicht wirklich gut schlafen. Zum einen war es kalt und zum anderen laut. Die beiden schwedischen Wohnmobile, die uns guten Windschatten gespendet hatten haben nämlich ihre Standheizungen angeworfen, die gut Krawall gemacht haben. Zum Glück hatte ich meine Kopfhörer, deren Rauschunterdrückung in Zusammenarbeit mit den Ohrstöpseln beinahe für Totenstille in meinen Ohren gesorgt haben. Blöderweise kann man sich mit denen eben nicht auf die Seite legen.

Gut. Also halb drei ging's los. Wir wurden schon von einem Motorrad Fahrer auf dem Zeltplatz vorgewarnt, dass an der Nordkapp Kugel "200 Autos von euch" stehen. Oben angekommen, stellte sich das als leichte Übertreibung raus.. Es waren etwa 20 Autos vor uns. Aber wenn jeder 5min für ein Bild braucht, ergibt dass nach reiner Mathematik auch 100min Wartezeit. Ein Team holte noch die Drohne raus und filmte einen Heiratsantrag. Dem Hupkonzert nach zu urteilen wurde der Antrag wohl positiv beschieden - oder es wollten alle, dass sie sich dort endlich verdünnisieren.

Gegen 4:50 Uhr waren wir dann an der Reihe und haben unsere Beweisfotos innerhalb von 5min geschossen. Danach ging's Nonstop auf in Richtung Finnland und russische Grenze. Da es sehr früh war und auch noch Wochenende, haben wir über hunderte Kilometer kein Auto gesehen. An der erst grösseren offenen Tanke gab's dann Futter für's Auto und uns. Wir haben dort noch ein anderes Team getroffen und kurz diskutiert, ob der Grenzübergang Kirkenes oder Raja Jooseppi besser ist. Es kursierte das Gerücht, dass in Raja stärker kontrolliert werden sollte, wegen Flüchtlingen (!?). Meine Frage, warum denn die Flüchtlinge von Finnland nach Russland wollten, konnte jedoch nicht beantwortet werden. Unser Entschluss stand aber eh fest - da ja die Hütten am "Grünen Ufer" als Tagesziel auserkoren waren.

Gegen 13:00 Uhr waren wir an der Grenze. Wir hatten ja viel über den strengen russischen Zoll und die ewigen Wartezeiten gehört. Nichts von alledem traf zu. Wir haben 1 Stunde und 15 Minuten gebraucht um auf die russische Seite zu gelangen. Die russischen Zöllner waren sehr freundlich und hilfsbereit beim Ausfüllen der Formulare und haben nur in zwei, drei Kisten geschaut. Mehr nicht. 

Nun waren wir also in Russland auf der R11 (P-11 auf russisch) und kamen in den Genuss dieser Strasse. Einmal mehr hat sich der Chevy mit seinem langen Federweg als sehr geeignetes Rallye Fahrzeug erwiesen. In der Stasse waren Bodenwellen, die regelmässig unsere Kisten zum Schweben brachten. Noch dazu gab's Löcher die uns ordentlich durchgeschüttelt haben. Nach 120km waren wir am Ziel. Noch 2km durch einen Waldweg und ich konnte endlich meine Russischkenntnisse auf die Probe stellen. Es hat dafür gereicht, 2 Hütten zu reservieren und raus zubekommen, dass wir nur mit Rubel bezahlen konnten. Somit kamen wir nochmals in den Genuss von 80km (2x 40km) dieser fantastischen Strasse. In Verkhnetulomsky sollte es einen Bankautomaten geben. Meine Russischkenntnisse reichten auch hier aus um diesen zu finden. Der Bankomat befindet sich in einem Laden, in welchem wir auch gleich noch etwas zum grillieren besorgen konnten. Anschliessend ging's zurück zur Unterkunft.

Nach ca. 1h brach ein kleines Chaos aus. Irgendwie hatte unter mehreren Teams die Runde gemacht, dass wir hier Hütten reserviert hatten, was offensichtlich auf reges Interesse stiess. Abenteuerliche Preise (390,- € pro Nacht) machten die Runde. Das endete dann aber trotzdem darin, dass mit einem Mal 4 Team mit insgesamt 11 Leuten hier aufschlugen. Abgemacht waren 7 Leute und 2 Teams (zusätzlich). Jetzt ging die grosse Diskussion los (natürlich auf russisch) wer mit wem und wo für wie viel übernachtet. Ich ziehe den Hut vor der Geduld der beiden russischen Jungs mit unserer Chaotentruppe :-). Letzlich haben sich dann 3 Leute wieder aufgemacht, da ihnen der Preis (übrigens knapp 230,-€ für 5 Personen in einer Topphütte) zu hoch war.

Nun konnte ich endlich mein Grillpoulet essen und liege nun in einem warmen uns weichen Bett und kann nach der letzten beschwerlichen Nacht hoffentlich etwas Schlaf nachholen. Die Fahrerei heute ging an die Substanz, eben wegen der kurzen, kalten und lauten Nacht.

Morgen geht's nach Murmansk auf der Suche nach dem Atomeisbrecher Lenin. Der Hafen ist sicherlich ein ganz heisser Tipp hierfür.